Schuldenfalle und Handyverträge in Deutschland

von Yousef Kayyaltamimi
Rote Zahlen: Kostenfalle Handy für Migranten und Geflüchtete

Hier in der Stadt Nürnberg leben mehr als 500 Tausend Menschen. Jedes Jahr wächst die Anzahl der Bevölkerung um 5,9 Prozent, ebenso wie die Zahl der abgeschlossenen Handyverträge stetig zunimmt. Ein Smartphone ist mehr als nur ein mobiles Telefon – und kann unerwartet mehr Kosten verursachen als erwünscht. Telefonieren, fotografieren, navigieren; Musik hören, Filme gucken, chatten – Smartphones sind digitale Alleskönner. Doch Handyverträge verursachen häufig erhebliche Kosten, was vielen Kunden erst mit Blick auf die Telefonrechnung auffällt. Vielen Flüchtlingen und Migranten fehlt es an solche Informationen, weshalb sie auffällig oft in solche Handy-Kostenfallen geraten.

Der 25-Jähriger Kasem Al-Zamel ist Flüchtling aus Syrien und lebt seit fünf Jahren in Deutschland. Er ist beim Abschluss seines Handyvertrages vor zwei Jahren Opfer einer Kostenfalle geworden.

„Vor zwei Jahren ging ich zu einem Handyanbieter bei mir in der Stadt Nürnberg und wollte ein Smartphone Vertrag abschließen. Der Mitarbeiter hat mir erklärt, dass der Handyvertrag monatlich 19 Euro für zwei Jahre kostet. Ich war überrascht als ich nach einem Jahr festgestellt habe, dass der Monatsbetrag von 19 Euro auf 39 Euro gestiegen ist. Ich bin zum Handyanbieter gegangen und habe versucht herauszufinden, was der Grund dafür war. Der Mitarbeiter hat mir erklärt, dass es keinen besonderen Grund gibt. „Ganz einfach“. Es steht so in ihrem Vertrag. Im ersten Jahr bezahlst du 19 Euro und im nächsten Jahr des Vertrages bezahlst du 39 Euro. Ich habe ihm gesagt, dass der andere Mitarbeiter diesen Punkt in dem Vertrag nicht erwähnt hat. Er meinte; ich muss den Monatsbetrag bezahlen und dass ich den links unterschrieben habe. Dieser Handyvertrag ist sehr teuer für mich. Hätte der Mitarbeiter mir damals den Vertrag genauer erklärt, hätte ich den nicht unterschrieben.  Ich dachte, dass der Handyvertrag ein ausgezeichnetes Angebot für mich gewesen wäre.“

Saher und die Stiftung

Der 25-Jähriger Syrer Saher Iskaf ist seit vier Jahren in Deutschland und arbeitet seit einem Jahr für die Stiftung Deutschland im Plus als Referent. Es gehört zu seinen Aufgaben, Flüchtlinge und Migranten in Integrationsklassen und Berufsschulen über Kostenfallen zu unterrichten. Er weiß am besten, warum Flüchtlinge und Ausländer in Handy-kostenfalle geraten.

„Viele Leute in Deutschland geraten in Kotenfallen vor allem bei Handyvertrag, denn sie kommen in ein neues Land. Sie wollen ein neues Handy Kaufen, dann entscheiden sie sich einen Handyvertrag abzuschließen. Da sie nicht so perfekt deutsch kennen, gehen sie in den Shop und verlassen sie sich auf den Mitarbeiter, der denen etwas erzählt und manchmal das ausnutzt, dass sie die Sprache nicht verstehen und dann unterschreiben sie den Vertrag und das führt zu Kostenfalle.“

Handy-Kostenfalle-Arten

Die deutschen Handyvertragsanbieter benutzen verschiedene Kostenfallen um ihren Profit zu erhöhen und Geld aus den Taschen der Kunden zu ziehen.

„Es gibt Natürlich verschiedene Arten von Handy-vertragskostenfalle. Zum einen gibt es so genannt Zusatzpakete. Sie sind meistens in dem Vertag enthalten. Beispiele dafür sind Datenautomatik oder internationales Anrufen oder Sichrheitspakete. Die muss man separat kundigen. Das wissen viele Leute nicht, die neu in Deutschland sind. Zum anderen gibt es so genannte Grundgebühr. Diese Gebühr verändert sich in einer gewissen Zeit zum Beispiel nach einem Jahr. Der Kunde bezahlt zum Beispiel im ersten Jahr 20 Euro und im zweiten Jahr 30 Euro, deswegen wundern sich viele Flüchtlinge, die neu in Deutschland sind, dass sie nach einem Jahr mehr Kosten bezahlen sollen, weil sie die Regeln in dem Vertrag nicht gelesen haben. Eine andere Art von Handy-Kostenfalle ist Abo-Falle. Das sind kostenlose Abos, die man für einen Monat kostenlos bekommt und wenn man sie nicht kündigt muss man dafür Gebühren bezahlen.“

Bevor man ein Handyvertrag abschließt, muss man sich vorher gründlich informieren und verschiedene Punkte beachten, damit man nicht in Handy-Kostenfalle gerät.

„Damit man in Handyvertragsfalle nicht gerät, soll man auf ein paar Dinge achten. Zum einem sollte man den Vertag komplett und so genanntes kleingedrucktes durchlesen. Da sind meistens die versteckten Kosten drin. Außerdem sollte man fragen, ob die Grundgebühr fest ist. Diese Grundgebühr verändert sich meistens nach einer bestimmten Zeit. Wenn man die Sprache nicht beherrscht, sollte man jemanden mitnehmen, der den Vertrag liest und übersetzt. Außerdem sollte man sich innehrhalb von 14 Tagen überlegen, ob der Vertrag für ihn wirklich passt und ob der Preis fair ist und bei anderen Anbietern vergleichen. wenn es etwas gibt, was nicht stimmt, kann man diesen Vertrag innerhalb von zwei Wochen kündigen.“

Die Handy-Kostenfalle beschäftigt jeden Smartphone-Nutzer früher oder später einmal. Denn wer nicht aufpasst, wundert sich vielleicht über ungewollte Kosten auf der Mobilfunkrechnung, über Abos oder über unerwartete Zusatz-Kosten. Die Stiftung Deutschland im Plus und viele andere bieten kostenlose Beratungen für Hilfesuchende und Überschuldeten. Wer in so einem Fall Hilfe benötigt, sollte sich nicht scheuen solche Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

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