Rote Zahlen: Kostenfalle Handy für Migranten und Geflüchtete

Von Yousef Kayyaltamimi

Beinahe jeder von uns ist einmal in eine Kostenfalle getappt, oder hat eine Bestellung mit ungeahnten Zusatzkosten aufgegeben. Kasem Al-Zamel aus Nürnberg erzählt, wie er in seiner neuen Heimat durch seinen Handyvertrag in prekäre Lage geriet. Wer wie Al-Zamel die deutsche Sprache neu zu sprechen beginnt, sollte Verträge für das Mobiltelefon gut prüfen. Saher Iskaf erklärt, wie man hohe Kosten vermeidet und was man über den Abschluss eines Tarifvertrags wissen sollte.

Ein Flüchtling liest seine Handyrechnung

In Nürnberg leben mehr als 500.000 Menschen. Jedes Jahr wächst die Zahl der Bevölkerung dort um etwa sechs Prozent, ebenso wie die Zahl der abgeschlossenen Handyverträge stetig zunimmt. Letztes Jahr stieg die Anzahl der Handyverträge um 5,2 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. Ein Smartphone ist mehr als ein mobiles Telefon – und kann unerwartet mehr Kosten verursachen als erwünscht. Telefonieren, Fotografieren, Navigieren, Musik hören, Filme sehen, Chatten – Smartphones sind digitale Alleskönner. Doch Handyverträge verursachen häufig erhebliche Kosten, was vielen Kunden erst mit dem Blick auf die Telefonrechnung auffällt.

Vor zwei Jahren ging der 25-Jähriger Syrer Kasem Al-Zamel zu einem Handyanbieter in der Stadt Nürnberg. Sein Vorhaben war es, einen Smartphone Vertrag abzuschließen. „Der Mitarbeiter hat mir erklärt, dass der Handyvertrag monatlich 19 Euro für zwei Jahre kostet. Ich war überrascht als ich nach einem Jahr festgestellt habe, dass der Monatsbetrag von 19 Euro auf 39 Euro gestiegen ist.“, erzählt Al-Zamel. Er flüchtete vor fünf Jahren vor dem Krieg in seinem Heimatland Syrien nach Deutschland. Al-Zamel, so wie viele weitere Flüchtlinge, kommen neu in Deutschland an und es fehlt ihnen an Informationen, weshalb sie auffällig oft in solche Handy-Kostenfallen geraten.

Erschrocken ist er zu seinem Vertragsanbieter geeilt, weil er der plötzlichen Steigerung seiner Mobilfunkrechnung auf den Grund gehen wollte. „Der Mitarbeiter hat mir erklärt, dass es keinen besonderen Grund gibt: Ganz einfach. Es stehe so in meinem Vertrag. Im ersten Jahr bezahle ich 19 Euro und im nächsten Jahr des Vertrages 39 Euro.“, erzählt Al-Zamel verärgert. „Dieser Handyvertrag ist sehr teuer für mich. Hätte der Mitarbeiter mir damals den Vertrag genauer erklärt, hätte ich den nicht unterschrieben“, so Al-Zamel.

Kurz nach der Ankunft in Deutschland entscheiden sich Flüchtlinge und Ausländer, einen Handyvertrag zu abzuschließen, trotz ihrer mangelnden Kenntnisse der deutschen Sprache. Manche Mitarbeiter der Mobilfunkanbieter nutzen das aus. „Sie erzählen etwas und nutzen aus, dass sie die Sprache nicht verstehen und dann unterschreiben sie den Vertrag und das führt zur Kostenfalle“, erklärt der 25-Jähriger Syrer Saher Iskaf. Seit vier Jahren lebt er in Deutschland und arbeitet seit einem Jahr als Referent für die Stiftung Deutschland im Plus. Es gehört zu seinen Aufgaben, Flüchtlinge und Migranten in Integrationsklassen und Berufsschulen über Kostenfallen aufzuklären und zu warnen.

Die deutschen Handyvertragsanbieter benutzen verschiedene Kostenfallen, um ihren Profit zu erhöhen und den Kunden sprichwörtlich „das Geld aus den Taschen zu ziehen“. Zusatzpakete sind meistens im Vertrag enthalten und „die muss man separat kündigen“, erklärt Iskaf weiter. Erwähnenswert ist zudem die sogenannte Datenautomatik. Nach Verbrauch des im Vertrag beinhalteten Datenvolumens wird automatisch Datenvolumen nachgeladen. O2 ist einer der vielen Anbieter, die Datenautomatik in ihre Verträge integrieren.  

  • Einheiten ins Ausland und im Ausland, außerhalb der europäischen Union, werden beispielweise pro Minute sehr hoch abgerechnet.
  • Die Grundgebühr ist eine teure Kostenfallen. Die gilt es besonders zu beachten.
  • Aufschläge, von bis zu 40 Prozent oder mehr, kommen auf die monatliche Gebühr der Handyverträge (nach der Laufzeit oder währenddessen) drauf.

Eine andere Art von Handy-Kostenfallen sind kostenpflichtige Abos und Sicherheitspakete. Das sind Smartphone-Apps und Dienste mit umstrittener Notwendigkeit und Nutzen. Meistens für drei Monate, vorab kostenfrei, eingerichtet. Sie werden anschließend zusammen mit der Handyrechnung abgebucht, wie beispielweise ein Virenschutzscanner. „Man muss sehr aufmerksam einen Blick in die AGBs und die Preislisten werfen“ – empfiehlt Saher Iskaf.

Handy-Kostenfallen beschäftigen jeden Smartphone-Nutzer früher oder später. Denn, wer nicht aufpasst, wundert sich vielleicht über ungewollte Kosten auf der Mobilfunkrechnung, über Abos oder unerwartete Zusatz-Kosten. Bevor man einen Handyvertrag abschließt, muss man sich vorher gründlich informieren und „auf ein paar Dinge achten, damit man nicht in Handyvertragsfallen gerät“, so Iskaf. Als erstes empfiehlt es sich, den Handyvertrag komplett (also auch das so genannte Kleingedruckte) durchzulesen und drauf zu achten, ob die Grundgebühr pauschal ist, sonst wird sie nach einem Jahr, oder am Ende des Vertrages teurer. Besonders für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen sollte eine erfahrene Person zugegen sein, die den Vertrag für sie liest, übersetzt und die Details des Vertrages vorab erklärt. Vor Ende der 24 Monate des Handyvertrages empfiehlt Saher Iskaf außerdem, den Handyvertrag genau drei Monate vor Ablauf, oder besser: direkt am Anfang zu kündigen. Andernfalls wird der Vertrag automatisch um weitere zwölf bis 24 Monate verlängert. Die Stiftung Deutschland im Plus und viele andere bieten kostenlose Beratungen für Hilfesuchende und Überschuldete an. Wer in so einem Fall Hilfe benötigt, sollte sich nicht scheuen solche Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.

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